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Caritas Hagen warnt vor Gefährdung der ambulanten Pflegeversorgung
Geplante Streichung der tariflichen Refinanzierung bedroht Versorgungssicherheit und Fachkräftegewinnung
Hagen. Die Caritas Hagen zeigt sich besorgt über die Pläne der Bundesregierung im Rahmen des Gesetzes zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-BStabG). Sollte der aktuelle Gesetzentwurf verabschiedet werden, drohen erhebliche Auswirkungen auf die ambulante pflegerische Versorgung.
Konkret sieht der Entwurf vor, dass ärztlich verordnete Leistungen der ambulanten Pflege nach dem Fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) künftig nicht mehr tariflich refinanziert werden. Dazu gehören unter anderem Wundversorgungen, Kompressionsverbände oder die Blutzuckermessung. Die Caritas Hagen schließt sich der Kritik der Freien Wohlfahrtspflege NRW an und warnt vor den Folgen für Pflegebedürftige, Angehörige und Beschäftigte.
„Anstatt die strukturellen Herausforderungen der Gesundheitsversorgung anzugehen, werden Einsparungen auf Kosten der Beschäftigten und der Versicherten vorgenommen, die die Arbeitsbedingungen verschlechtern und die Belastungen für die Versicherten erhöhen können. Was fehlt, ist eine umfassende und nachhaltige Reform des Gesundheitswesens, die die Finanzierung langfristig sichert, die Versorgung stärkt und die Interessen von Patientinnen und Patienten sowie der Beschäftigten gleichermaßen berücksichtigt.““, erklärt Renate Jährling, Fachbereichsleitung Gesundheits- und Altenhilfe der Caritas Hagen.
Die geplanten Änderungen könnten insbesondere die Gewinnung und Bindung von Fachkräften erschweren. Schon heute steht die Pflegebranche vor großen Herausforderungen durch den Fachkräftemangel. Werden tarifliche Löhne nicht mehr ausreichend berücksichtigt, droht eine Abwanderung qualifizierter Mitarbeitender in andere Bereiche des Gesundheitswesens.
Auch die wirtschaftliche Stabilität ambulanter Pflegedienste wäre gefährdet. Einrichtungen könnten gezwungen sein, Leistungen einzuschränken oder Angebote aufzugeben. Für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen würde dies eine weitere Verschlechterung der Versorgungssituation bedeuten.
„In Nordrhein-Westfalen werden rund 88 Prozent der pflegebedürftigen Menschen zuhause versorgt. Die ambulante Pflege ist damit ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Gesundheitssystems. Einsparungen dürfen nicht auf dem Rücken der Pflegebedürftigen und der Beschäftigten erfolgen“, so Jährling weiter.
Die Caritas Hagen fordert die Bundesregierung auf, an der tariflichen Refinanzierung festzuhalten und nachhaltige Lösungen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung zu entwickeln, die weder die Versorgungsqualität noch die Versorgungssicherheit gefährden.
Hintergrund
In Nordrhein-Westfalen leben mehr als 1,4 Millionen pflegebedürftige Menschen – mit steigender Tendenz. Der überwiegende Teil von ihnen wird zuhause versorgt. Neben der Unterstützung durch Angehörige leistet die professionelle ambulante Pflege einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsversorgung und ermöglicht vielen Menschen ein selbstbestimmtes Leben in ihrer vertrauten Umgebung.